Testbericht Wings of Fury (Android) Review

Bild des Benutzers Anne


Um bei einem Gamer jenseits der 30 heftige Anflüge von Nostalgie auszulösen, ist Wings of Fury in etwa genauso effektiv,wie sich einen brandneuen Space Invaders-Spielautomaten ins Wohnzimmer zu stellen.

Das Spiel von The Android Machine ist ein ganz offensichtliches Imitat des gleichnamigen
Wings of Fury, welches zuerst für den Apple II erschienen war und danach für so ziemlich jeden Heimcomputer der 80er Jahre portiert wurde, bloß dass es einen leicht glänzenden, Flash-ähnlichen Neuanstrich bekommen hat.

Es ist einfach eine Schande, dass das Gameplay nicht auch so liebevoll aufgebessert worden ist, und dass der steil ansteigende Schwierigkeitsgrad dazu da ist, den Mangel an Inhalt und Abwechslung in den Missionen geschickt zu kaschieren.

Bereit zum Abheben

Der im Zweiten Weltkrieg angesiedelte 2D-Shooter ist mit seinem langsamen Tempo, das einen dazu anhält, die Missionen mit Vorsicht und Sorgfalt anzugehen, meilenweit von den diversen Bullet-Hell-Krachern entfernt.

Eure erste Hürde stellt bereits der Start eures Flugzeugs dar: Ein Vorgang, der sich stark an traditionellen Flugsimulationen orientiert und bei dem ihr euch den physikalischen Regeln widersetzen müsst, indem ihr mit eurem Thunderbolt-Flugzeug Vollgas gebt und dessen Nase nach oben zieht, sobald sich seine Reifen von der Rollbahn lösen.

Bewegungen in der Luft werden mit einem simplen virtuellen Joystick durchgeführt, mit dem ihr lediglich nach oben oder unten fliegen sowie scharf nach links oder rechts eindrehen könnt. Es gibt hier keine protzigen Fassrollen oder Loopings.

Eure ersten Flugversuche werden vermutlich so komisch sein wie die von Leslie Nielsen in
Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, zeigt ihr jedoch Durchhaltevermögen, dann wird euch das Fliegen immer intuitiver von der Hand gehen – auch wenn es trotzdem stets voller Gefahren bleibt.

Wir haben beispielsweise irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft das Fahrgestell unseres Flugzeugs einen Palmenwedel gestreift und so die Motoren stark beschädigt hat, besonders dann, wenn wir versuchten, nach einem langen und fordernden Einsatz wieder zu landen.

Solche Zwischenfälle boxen einem immer wieder tief in die Magengrube, weshalb sich die Tatsache, für jede Mission drei Flugzeuge zur Verfügung zu haben, wie ein wahrer Segen anfühlt.

Behaltet den Himmel im Auge

Aber ein guter Pilot zu werden entscheidet nur über die Hälfte der Schlacht. Seid ihr erst einmal in der Luft, müsst ihr ganz allein Angriffe auf feindliche Ziele fliegen, wobei in jedem Level mehr und mehr Zielvorgaben hinzukommen.

Ihr beginnt damit, ein einzelnes Flugabwehrgeschütz unter einem Bombenteppich einzuhüllen, doch schon bald danach müsst ihr mit gut verschanzten und stabil gebauten Bunkern und Heerscharen von Soldaten fertig werden, die zudem auch noch die beschädigten Verteidigungseinrichtungen reparieren können – von den tödlichen Jagdflugzeugen der Feinde in den letzten Levels mal ganz zu schweigen.

Als Ausgleich für die Geschwindigkeit, mit der ihr unterwegs seid, ist das Abwerfen von Bomben ein äußerst einfacher Weg, die meisten der feindlichen Truppen zu vernichten. Das Abfeuern der Maschinengewehre und Raketen erfordert hingegen, dass ihr diagonal in Richtung Boden fliegt – was das Risiko eines Ablebens durch Einwirkung der Landschaft erhöht.

Und jeder Schaden an dem Flugzeug verursacht ein Ölleck, welches euch dazu zwingt, eure Angriffe aufzugeben und zwecks Reparatur zum Hangar zurückzufliegen.

Die höheren Schwierigkeitsgrade begrenzen außerdem erheblich die Zahl der Bomben und Raketen, die ihr mit euch führen könnt, was euch ebenfalls dazu nötigt, immer wieder zur Basis zurückzukehren und neue aufzusammeln.

Unsanfte Landung

Und genau hier begeht Wings of Fury seinen größten Fehltritt: Selbst im leichtesten Schwierigkeitsgrad entpuppt sich das zigfache Wiederholen der optisch fast identischen Levels als der einzige Weg zum Sieg.

Ja, es ist ein gutes Gefühl, einen längeren Angriff geflogen zu sein und unversehrt zurückzukehren, aber ihr müsst euch dabei permanent darüber Sorgen machen, dass ihr am Ende vielleicht doch nicht die wunderbare „Alle Feinde besiegt“-Mitteilung zu Gesicht bekommen werdet und dann auch nicht den nächsten Level freischalten könnt.

Gelegenheitsspieler werden den extrem hohen Schwierigkeitsgrad auf lange Sicht vielleicht als zu störend empfinden, aber Old Skool-Gamer werden sich vermutlich wochenlang gern von diesen Flügeln in Rage bringen lassen.

7
Fazit: 
Ein solider, geschniegelter Klon eines 2D-Klassikers, zumindest für in die Tage gekommene Gamer, der genauso schwer wegzulegen wie zu spielen ist

Kategorie: