Testbericht Scribblenauts Remix (iOS) Review

Bild des Benutzers Manfred Beck
5th Cell’s und Iron Galaxy Studios' Scribblenauts Remix [€ 3,99] ist einfach genial. Denkt euch ein Wort aus, gebt es ein und schon stellt euch das Game das gewünschte Hilfsmittel zur Verfügung. Ihr müsst einen Button für eine Schiebetür erreichen, der sich in eigentlich unerreichbarer Höhe auf einem Felsvorsprung befindet? Dann schwingt euch auf ein Pegasus. Ihr wollt einen Toten verbuddeln? Mit einem stylischen Sarg, einer Schaufel und ein bisschen Erde gelingt euch das auch. Remix brilliert, indem ihr darin jegliches Tool verwenden könnt, um damit jede x-beliebige Aufgabe zu lösen. Es kitzelt eure Kreativität wie kaum ein anderes Game.

Wenn ihr nun sagt, Remix ist ein Best Of aus Super Scribblenauts und Scribblenauts liegt ihr gar nicht so falsch. Remix ist die Summe der Kernerlebnisse dieser beiden Titel mit nachgerüsteter Touchsteuerung, die sich an manchen Stellen aber etwas holprig anfühlt. Und doch ist es für mich mehr als nur ein Upgrade. Die Game Engine agiert merklich schärfer, überflüssige Bewegung und Navigation wurde abgespeckt und gestrafft, das Spiel ist generell bissiger geworden und obendrein gibt es auch noch ein paar neue Level. Mit Remix hat 5th Cell das Rad nicht neu erfunden, hat aber an seiner Ausgewogenheit, dem Gewicht und dem Profil gearbeitet.

Folgendes Setup: ihr, in Gestalt eines neugierigen Jungen names Max, seht euch mit Aberdutzend Rätseln, Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert, die ihr mithilfe bestimmter Substantive oder in Kombination mit Adjektiven lösen müsst. Zwischen den einzelnen Levels gibt es keine Zusammenhänge: in einem Level werdet ihr mit dem Tuning eines Rennwagens betraut, in anderen tragt ihr eine Leiche durch die Gegend, bereitet eine Schule für den ersten Schultag vor oder lasst einen Löwen vor den Augen der Zuschauer einer Zaubershow verschwinden. Als Belohnung für gelöste Aufgaben winken jedes Mal leuchtende Stariten.

Der Großteil der Szenarien fördert die Fantasie leider nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Klar könntet ihr einen fliegenden Drachen oder Vampir ins Schulhaus setzen, das Game belohnt euch aber nur für die grundlegenden Dinge: Stühle, Tische, Podien und das ganze andere schulmäßige Zeuchs. Es gibt aber auch einige bedeutend freiere Szenen. Im ersten Level geht es zum Beispiel einfach nur darum, den echten Stariten in einem Baum voller Hochstapler zu finden. Und weil ich ein Freak bin, habe ich da den Flammenwerfer genommen und alles abgefackelt - krass, aber wirkungsvoll.

Die stumpfsinnigeren Szenarios können so oder so gelöst werden. Ich für meinen Teil sehe die immer als Extra-Aufforderung, so richtig quer zu denken. Klar könnte ich dem Friseur Scheren geben, aber wäre es nicht lustiger, denen ein weitaus kreativeres Objekt in die Hand zu geben, mit dem die ihren Kunden dann die Haare schneiden können? Auf der anderen Seite erfordern die freieren Level aber auch eine etwas eingehendere Betrachtung. Ein Massensterben ohne Asteroiden herbeizuführen ist schwieriger, als ihr vermuten würdet. Solltet ihr mal nicht weiterkommen, dann versorgt euch das Hinweissystem des Spiels so lange mit Tipps, bis ihr auf der richtigen Fährte seid, ohne euch dabei aber dieser glorreichen “A-Ha!”-Momente zu berauben.

Wie in anderen Scribblenauts Titeln kommt ihr mit ein, zwei Bewegungen aus, meistens braucht ihr die nur, um besagten Drachen im Schulhaus unterzubringen. Die Touchsteuerung funktioniert bis auf wenige Ausnahmen gut. Ein einfacher Tap auf die jeweilige Levelbegrenzung steuert Max, während Schütteln alles löscht, was ihr gerade kreiert habt. Mit einem Zweifingerwischen gelangt ihr zur Karte. Aktionen wie Springen oder Klettern sind automatisiert, um es euch noch bequemer zu machen, und über Stern und Raute werden “Objekt entfernen” bzw. “Objekt geben” verwaltet. Die normale Tastatur des iPad ist euer Zauberstab im Spiel.

Das Beste an Remix ist wahrscheinlich, dass Bewegung wichtig ist; es ist die Schöpfung. Und was ihr damit machen könnt, ist fast magisch. Ihr wollt einen Kampf zwischen Gott und einem T-Rex sehen? Dann macht das. Ihr wollt wissen, was passiert, wenn ihr einen Höhlenmenschen oder einen Toaster in einen See mit einem Hai werft? Na dann los. Die offensichtlichen Ziele mal außer Acht lassen ist eine schöne Sache, und so könnt ihr experimentieren und alternative Lösungen für einfache Probleme finden, vor die euch das Game stellt.

Die Benutzung von Adjektiven ergänzt das experimentelle Gameplay perfekt. In einem Level zum Beispiel werdet ihr aufgefordert, einen Menschen mittels eines verrückten Zaubertranks in einen Drachen zu verwandeln. Ihr müsst euch zum Drachen und zum Zaubertrank die passenden Attribute einfallen lassen, und das ist absolut unterhaltsam, genau wie der Rest dieser Gameswelt, frei und ein bisschen wie im Sandkasten spielen. Was ihr auch machen wollt, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass ihr das auch machen könnt. Es ist schlichtweg fantastisch, so viel Macht zu besitzen.

Da das hier ja ein Review ist, klingt das jetzt vielleicht wie ein Klischee, aber ich bin wirklich der Meinung, dass ihr euch keinen Gefallen tut, wenn ihr Remix nicht mal ausprobiert. Es ist ein schier unglaublich faszinierendes Spiel, das nicht davor zurückschreckt, euch mit ordentlich Macht auszustatten. Es vereint so viel Kreativität und hält deswegen eine wohltuende Vielzahl an Momenten und Stories für euch bereit.

App Store Link: Scribblenauts Remix, € 3,99 (Universal)
9
Fazit: 
Für Herausgeber WBIE wäre es ein Leichtes gewesen, das ganz anders zu lösen und trotzdem noch irrsinnig viel Geld damit zu machen, aber so ist es nicht; Remix ist ein absolut solider Pseudo-Port, der sich genial für Mobiles eignet und eine sowohl technische als auch mechanische Grazie an den Tag legt, mit der keiner von uns gerechnet hätte. Oh, und außerdem ist es eine Universal-App und unterstützt auf vielen Geräten das Speichern in der iCloud - als Sahnehäubchen, liebe Leute.

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