Testbericht Samsung Galaxy S III (Hardware) Review

Gibt es ein anderes Smartphone, das das gleiche Level an Aufmerksamkeit generieren kann wie das neue iPhone? Das Galaxy S III scheint ein solcher Kandidat zu sein.
Samsung hat einen großartigen Job gemacht und das Teil gehypt, indem es eben nicht auf dem weltweit größten Treffen der Mobile-Branche enthüllt wurde, sondern stattdessen während eines eigenen Spezial-Events. Genau wie Apple das zu tun pflegt.
Von Februar bis Mai wartete jeder mit Spannung auf Neuigkeiten, wie es bei einem Apple-Release nicht anders gewesen wäre. Wie wird das Telefon aussehen? Was wird es draufhaben? Welcher Prozessor kommt zum Einsatz?
Und dann, Anfang Mai, wurde das Samsung Galaxy S III präsentiert, und ließ einen Großteil der Technikwelt enttäuscht zurück.
Das Galaxy S III unterscheidet sich äußerlich in keinster Weise von den bisherigen Samsung-Smartphones, oder vom Galaxy Nexus, das vor Weihnachten auf den Markt gekommen war. Einige Leute waren sogar der Ansicht, dass die Polycarbonat-Hülle das Telefon zu billig wirken lasse, als dass es als Samsungs Flaggschiff gelten könne, aber billig ist dieses Gerät auf jeden Fall nicht.
Auch wenn das äußere Erscheinungsbild etwas billig anmutet, sobald ihr das Telefon einmal in die Hand genommen habt, werdet ihr eure Meinung ändern. Es fühlt absolut solide an, kein Durchbiegen oder Knarzen lässt sich feststellen. Außerdem verleiht ihm die ‘Hyperglaze’-Beschichtung ein ebenmäßiges und glänzendes Finish. Der einzige Nachteil hierbei ist, dass es ein wenig zu schnell voller Fingerabdrücke ist.
Aus der Masse herausstechen
Heutzutage ein einzigartiges Smartphone zu kreieren, wird zunehmend schwieriger. Im Prinzip kann jeder einen leistungsstarken Prozessor hernehmen, eine Kamera und ein Display dazu, und das alles in ein schwarzes, silbernes oder weißes Gehäuse packen, zusammen mit der neuesten Version vom Android-Betriebssystem. Angesichts der riesigen Anzahl an Android-Geräten auf dem Markt, wird es schwerer und schwerer, aus der Masse herauszustechen.
Das Galaxy S III wird von einem 1,4GHz Exynos 4 Quad-Prozessor befeuert, der momentan der schnellste Quad Core-Chip auf dem Markt ist. Aber ist das genug, um mehr als nur die Hardcore-Geeks zu ködern?
Und obwohl das Telefon in praktisch jedem Test schneller ist als der bisherige Anführer, das HTC One X, wird es nicht die Prozessorleistung sein, die Samsung am stärksten in den Vordergrund rücken wird. Das Unternehmen hat nämlich außerdem an einer Serie von Software-Features gearbeitet, um das S III einzigartig zu machen. Dieses Paket wird den potenziellen Käufern nun mit einer Marketingkampagne unter dem Motto “Designed for Humans” schmackhaft gemacht.
Das ist zwar ziemlich kitschig, da aber jeder große Betreiber das Telefon in sein Sortiment aufgenommen hat, wird es trotzdessen in großer Zahl über den Ladentisch gehen.
Das Galaxy S III wartet noch mit einer Menge anderer gepflegter Eigenschaften auf, wie einem 2.100mAh-Akku, um es für länger als nur die Dauer eines Wimpernschlags am Laufen zu halten. Außerdem ist der Akku austauschbar und einen Memory Card-Slot gibt es ebenfalls. Des Weiteren stehen Dual-Band Wi-Fi via Wi-Fi Direct, NFC und Bluetooth 4 zur Verfügung. Für viele Leute sind diese Sachen aber bei Weitem nicht so wichtig wie die generelle Benutzerfreundlichkeit.
Schaut auf den Screen und los geht’s
Und diese beginnt mit dem HD-Screen. Der 4,8Zoll-Bildschirm ist riesig und vereint 1280x720 Pixel. Selbst mit einer PenTile-Matrix, die durchaus für unscharfen Text und Detailverlust sorgen kann, fällt das nicht weiter ins Gewicht, es sei denn, ihr geht ganz nah an den Screen heran.
Eine schmale Einfassung verhindert, dass das S III lächerliche Ausmaße annimmt (wie das Galaxy Note), womit es sich perfekt für die Nutzung als normales Telefon sowohl für E-Mailing als auch für Gaming eignet.
Dann haben wir da noch Samsungs TouchWiz Benutzeroberfläche, die gestrafft und zusammen mit Androids Ice Cream Sandwich integriert wurde. Dadurch befinden sich Widgets nun im App Startmenü, und es wird ein schnellerer Zugriff auf den Play Store ermöglicht.
Ihr könnt nun auch Apps manuell neu gruppieren, sie alphabetisch anzeigen lassen oder Apps schnell deinstallieren. System-Apps, die ihr nicht benutzen wollt, könnt ihr einfrieren und somit Speicherplatz sparen, während das Gedrückthalten der ‘Home’-Taste kürzlich verwendete Apps oder den Taskmanager aufruft.
Zieht ihr die Benachrichtigungsleiste nach unten, erhaltet ihr Zugriff auf die Einstellungen diverser Services (Wi-Fi, Bluetooth, Mobile Data etc.) oder auf das allgemeine Settings-Menü.
Indem Android 4 jetzt in Bezug auf Aussehen und Gefühl stimmiger rüberkommt, basierend auf Googles eher minimalistischem Design, sieht nun alles viel professioneller und zivilisierter aus. Ihr könnt jetzt sogar das Farbprofil für den Bildschirm anpassen, um die Sättigung herunterzuregeln, die auf AMOLED-Display im Allgemeinen dazu führt, dass Farben unnatürlich und übertrieben dargestellt werden.
Auf ‘Normal’ eingestellt, besitzt das Galaxy S III wohl das qualitativ höchstwertige Display sämtlicher Smartphones.
Gehen wir mal die Bewegungen durch
Das Galaxy S III verfügt über eine Reihe von Motions und Gesten für so ziemlich alles, was ihr damit tun wollt. Zu den Bewegungen gehört beispielsweise das direkte Tätigen eines Anrufs aus dem Schreiben einer Nachricht an dessen Empfänger. Während ihr schreibt, braucht ihr einfach nur das Telefon aufzunehmen und an euer Ohr halten, und schon initiiert das S III automatisch einen Sprachanruf.
Smart Alert registriert, sobald ihr euer Phone von einem Tisch in die Hand nehmt und informiert euch gleich über verpasste Anrufe und Nachrichten, während ein Herumdrehen des Telefons die Stummschaltung veranlasst bzw. Musik und Videos auf Pause legt.
Eine weitere nette Geste ist die Möglichkeit, sämtliche Medien zu pausieren, indem ihr das Display mit eurer Handfläche abdeckt. Nützlich in solchen Momenten, in denen jemand spontan eine Frage an euch richtet.
Für all diese Bewegungsbefehle gibt es Tutorials, ebenso für ‘Smart Stay’, das den Screen so lange eingeschaltet lässt, wie die Frontkamera registriert, dass ihr auf das Display schaut.
Keines dieser Features ist exklusiv auf dieses Smartphone oder Samsung generell beschränkt, aber die meisten sind nicht auf anderen Geräten zu finden. Zweifellos hat Samsung sie sich patentiert lassen, um zu verhindern, dass Apple sie in deren nächstes iPhone integriert.
Genau so, wie ihr es mögt
Weitere nette Features, die helfen, das Telefon zu personalisieren, sind die Optionen, die Systemschriftart zu ändern oder den Lock-Screen anzupassen, indem Wettervorhersage oder ein Newsticker-Service inkludiert werden. Eine Reihe von Widgets ist ebenfalls an Bord, mit denen ihr Zugriff auf Samsungs eigenen Musik- und Filmservice sowie empfohlene Apps und Games vorgeschlagen bekommt.
ChatON ist Samsungs eigener Instant Messaging Client, während euch die AllShare Play-App erlaubt, den Bildschirminhalt via Wi-Fi auf passend ausgestattete TVs oder andere Geräte zu übertragen. Auch ein HDMI-Kabel kann an das Telefon angeschlossen werden, um die Dinge dann auf die altmodische Tour zu erledigen.
Kamera
Jetzt, da scheinbar akzeptiert wird, dass eine verbesserte Fotoqualität nicht nur dadurch erreicht werden kann, einfach mehr Pixel hinzuzufügen (es sei denn, es ist so clever gelöst wie bei Nokias PureView 808), hat es Samsung bei einem 8MP-Sensor belassen und dafür sichergestellt, dass das Kamera-Interface exzellent ist und der Bildsensor bei schlechten Lichtverhältnissen besser arbeitet.
Genau wie beim HTC One X und One S, könnt ihr mit dem S III gleichzeitig Videos aufnehmen und Fotos machen. Zusätzlich zu den gewöhnlichen Features wie HDR, Panorama-Modus und Beauty Shot, hat es Samsung außerdem vereinfacht, Leute in Fotos zu markieren, um die Bilder dann online zu teilen.
Sobald ihr die Gesichter, die das Smartphone automatisch erkennt, markiert habt, könnt ihr so clevere Sachen machen wie Fotos von bestimmten Leute oder Gruppen selektiv anzuschauen oder zu versenden.
Aber, es gibt keinen speziellen Kamera-Button. Das bedeutet also, dass wir uns wieder mit dem Wischen des Kamera-Icons vom Lock-Screen herumplagen oder zum Home-Screen wechseln und die Kamera über ihr Icon starten müssen.
Auch ein Foto zu schießen, ist mit einem richtigen Kamera-Button einfacher. Apple hat das gelöst, indem es möglich ist, eine Lautstärketaste als Auslöser zu verwenden. Samsung hat sich, sicher wohlweislich, dagegen entschieden, diesen Trick zu kopieren. Mit einer simplen Hardware-Modifikation hätte das aber auch geklärt werden können.
Das Aufnehmen von HD-Videos bei 1080p ist besonders beeindruckend, obwohl die Dateien dann schnell mal gigantische Ausmaße annehmen. Ein wenig enttäuscht hat mich der Geräuschpegel beim Fotos Schießen in dunklerer Umgebung, wobei der LED-Blitz außergewöhnlich hell ist und damit bis zu einem gewissen Grad entschädigt.
Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Kamera-Performance gut ist, aber ich ziehe für das Aufnehmen vieler Fotos immer noch das Sony Xperia S vor, und wenn nur aus Praktikabilitätsgründen weil es einen Kamera-Button besitzt.
Was haben Sie gerade gesagt?
S Voice erinnert stark an Siri und funktioniert auf dieselbe Art und Weise. Ihr sagt dem Telefon etwas, und es leitet das Gesprochene an einen Online-Server weiter, der die Antwort ermittelt.
Wenn ihr eine Frage stellt, im Gegensatz zum Wunsch, einen Anruf zu tätigen oder eine Nachricht zu senden, kann die erhaltene Information als Textantwort, als Ausschnitt einer Webseite oder über die jeweilige App des Telefons selbst dargestellt und präsentiert werden.
S Voice aktiviert ihr über ein Doppeltippen auf den Home-Button oder, indem ihr eine vorher definierte Phrase aussprecht (‘Hi Galaxy’ ist hier voreingestellt).
Und funktioniert das? Naja, genau wie für Siri lautet die Antwort: Mehr oder weniger. Es kommt darauf an, die richtigen Fragen zu stellen und klar und deutlich zu sprechen.
Und während ich so überlegt habe, wann ich S Voice mal brauchen könnte, habe ich mich auch dabei erwischt nachzudenken, wie ich Fragen formulieren könnte, mal abgesehen von ‘Wie wird das Wetter?’ In den meisten Fällen kommt man mit einer Google-Suche oder dem direkten Öffnen einer App schneller ans Ziel.
Einige der erhaltenen Antworten waren dahingehend auch ziemlich verwirrend, dass das Telefon sie einfach wortwörlich vorgelesen hat. In einigen Fällen las es die Zeichensetzung im Text mit vor oder buchstabierte abgekürzte Worte. Alles Sachen, die gerichtet werden könnten, was wohl aber den Aufwand nicht wert wäre, weil höchstwahrscheinlich die wenigsten User dieses Feature wirklich intensiv nutzen werden.
Wenn ihr Leute kennt, die Siri auf ihrem iPhone 4S nutzen, könntet ihr einen kleinen Test starten, welcher Assistent besser funktioniert, aber für alle anderen ist es ein Feature, das maximal in der Kategorie ‘Gimmick’ um einen Award antreten könnte.
Top-Performer
Samsung hat vielleicht die Hardware etwas abgewiegelt und sich auf Software-Features konzentriert, aber für alle, denen es nach Power verlangt: dieses Smartphone hat sie. Den Großteil der Zeit arbeitet das Telefon mit nur zwei Kernen, geht bei Bedarf auf drei hoch und schaltet nur unter schwerster Auslastung seinen vierten Kern hinzu. Die meiste Zeit also wird das S III die geballte Leistung, über die es verfügt, nicht abrufen.
Ihr könnt aus Energiespargründen sogar seine Performance limitieren, und das Telefon meldet dann, wenn es solche Sachen wie das Abspielen von HD-Filmen weiter ausführt. Nur die wenigsten Apps werden jemals die zusätzliche Power benötigen. Und während es durchaus ein Argument ist zu sagen, für den Fall, dass solch eine App zum Einsatz kommt, habe ich ein Gerät, das bereit ist, stellt sich doch schnell ganz klar heraus, dass das Phone für die aktuellen Anforderungen übermäßig leistungsstark ist.
Es geht ja aber nicht nur um rohe Kraft - das Galaxy S III verfügt noch über weitere Eigenschaften, die es sich von der Masse abheben lassen - Dinge wie schnellerer Wi-Fi-Datentransfer und die Unterstützung sowohl des 2,4GHz- als auch 5GHz-Frequenzbereichs. Viele Handsets, darunter auch das HTC One X oder Sonys Xperia S, supporten dieses Band und denselben Datendurchsatz nicht.
NFC auf dem Galaxy S III ist nicht dafür gedacht, Smart Tags zu lesen oder zukünftig vielleicht Smart Payments zu erledigen, denn Samsung hat es möglich gemacht, dass ihr zwischen eurem Galaxy S III und einem anderen kompatiblen Telefon via Wi-Fi schnell und einfach Daten austauschen könnt, ohne dabei Sicherheitscodes eingeben zu müssen o.ä.
Der stärkere Akku ist das Sahnehäubchen, womit ihr das S III zwischen zwei Ladezyklen bedeutend länger nutzen könnt. Der macht den Unterschied zwischen dem Zögern, bevor ihr etwas tut, und es einfach tun, ohne euch Sorgen machen zu müssen, am Abend noch ein einsatzfähiges Telefon zu haben.
Samsung hat einen perfekten Mix erschaffen aus Hardware, um die Fanboys zu begeistern, und Software-Features, um die üblichen Nutzer glücklich zu machen. Viele der Features können zwar als Gimmicks deklariert werden, ihr braucht so aber ja auch nicht nutzen, wenn ihr nicht wollt.
Mit einer Fülle an Zubehör im Angebot, darunter auch eine kabellose Lade-Lösung, die noch im Laufe des Jahres herausgebracht werden soll, ist das Galaxy S III nicht nur Samsungs Flaggschiff, sondern außerdem das derzeit beste Android-Smartphone auf dem Markt.