Testbericht HTC One X (Android) Review

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Das HTC One X ist das erste Smartphone, das mit Nvidias Tegra3-Chip ausgestattet ist. Da waren wir natürlich neugierig, was die Extra-Leistung wirklich für das Handy bedeutet.

Allgemein bieten Smartphones mit Single-Core-Prozessoren unter 1 GHZ noch immer eine absolut flüssige Bedienbarkeit, während Dual-Core-Smartphones immer noch weit davon entfernt sind, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Das One X hat vier Kerne mit je 1,5 GHZ. Eigentlich sind es sogar fünf Kerne, wobei der fünfte anonym im Hintergrund läuft und eher banale Aufgaben erledigt, die nicht viel Rechenleistung erfordern. Dieser so genannte “Ninja Core“ soll das Smartphone so akkuschonend wie möglich machen.


In der schlanken Polycarbonat-Hülle – wahlweise grau oder weiß – befindet sich ein nicht austauschbarer 1,800mAh-Akku, der die fünf Kerne und ein 4,7 Zoll-Display mit 1280x720 Pixeln bei Laune hält.

Das Gehäuse selbst ist dünn, mit Kopfhörereingang und Mikrofon auf der der Rückseite.

Ein Logo von Beats Audio auf der Rückseite erinnert daran, dass Beats-Kopfhörer einen verbesserten Klang haben, obwohl HTC seine Smartphones nicht mehr mit Beats-Komponenten baut.


Es gibt keinen Eingang für eine SD-Karte. Ihr müsst euch also mit den 32 GB internen Speicher begnügen. Die einzige Stelle, an der ihr das Gehäuse öffnen könnt, ist der Slot für eure Micro-SIM-Karte. Zu guter Letzt unterstützt das One X Bluetooth V4 und NFC.

Ein Display von Qualität

Der Bildschirm ist nicht so scharf wie das 4,3-Zoll-Display des Sony Xperia S (momentan die höchste Pixel-Dichte aller Smartphones), aber die einzelnen Pixel sind nicht zu erkennen (das One X hat 312ppi).

Der Kontrast und der große Betrachtungswinkel des Super LCD 2-Displays sind beeindruckend. Die Farben sind lebendig und nicht übermäßig oder unnatürlich gesättigt.

Die Bedienbarkeit von Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) mit dem Sense UI des One X ist ebenfalls bemerkenswert. HTC hat es mit Erweiterungen nicht übertrieben, weil – wie jeder weiß, der das Samsung Galaxy Nexus gesehen hat – Ice Cream Sandwich das beste und beständigste Betriebssystem auf allen Android-Systemen ist.

Google hat es endlich geschafft, einen einheitlichen Look in der riesigen Auswahl an Apps zu schaffen und bietet Entwicklern die nötige Hilfe, um diese Konsistenz auch in Drittentwickler-Apps zu bewahren.

Trotzdem zeigt das One X, dass bis dahin noch ein langer Weg zu gehen ist. Viele Apps, darunter auch Tegra3-unterstützte Apps, legen das Menü/Optionen-Icon an die falsche Stelle, was einen Teil des Bildschirms verschwendet.


Sense – die Benutzeroberfläche

Aber zurück zu den Verbesserungen von HTC Sense. Die Einstellungsmöglichkeiten, die euch erlauben, das Theme zu ändern, inklusive voreingestellter Layouts, Lockscreens und Audio-Packs (Klingeltöne, Alarm, ect.), sind noch immer vorhanden.

Das bedeutet, dass eure Lockscreens euch Updates über eure sozialen Netzwerke, Wettervorhersagen, anstehende Termine und die Uhrzeit anzeigen kann. Oder ihr lasst den Bildschirm einfach leer, damit niemand eure Daten einsehen kann, ohne das Handy freizuschalten.

Um dies zu tun, malt ihr einen Kreis auf den Bildschirm oder aktiviert eine von vier Apps, indem ihr das entsprechende Icon in den Kreis zieht. Das ist die einzige Möglichkeit, die Kamera schnell zu starten, da HTC nach wie vor nicht gewillt zu sein scheint, einen richtigen Kamera-Knopf einzubauen.

Fotos im Handumdrehen

Die Kamera des One X ist ziemlich außergewöhnlich. Sein F/2.0-Bildsensor arbeitet besser bei schwachem Licht als mit normalen Bildverarbeitungsprozessen. Das erlaubt superschnelles Fokussieren, einen Burst-Modus, der 99 Bilder ganz schnell hintereinander schießt, und die Möglichkeit, Videos aufzunehmen und gleichzeitig Fotos zu machen.


Es gibt außerdem eine Reihe von besonderen Kamera-Funktionen, darunter Filter, Zeitlupe und eine HDR-Einstellung (High Dynamic Range), die aber eine ruhige Hand erfordert, weil sie mehrere Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten macht und die Resultate miteinander kombiniert.

Habt ihr ein Video oder Foto gemacht, könnt ihr es auf unterschiedliche Weisen teilen. Dazu gehören Standart-Services wie Facebook und Twitter, sowie Microsofts SkyDrive oder DropBox (HTC hat sogar arrangiert, dass ihr bei DropBox 25 GB kostenlosen Speicherplatz bekommt). Wie bei Android-Geräten üblich, funktionieren diese Sharing-Funktionen auch mit anderen Apps.

Das One X hat die beste Kamera, die ich bisher von HTC gesehen habe, aber sie leidet unter dem fehlenden Kameraknopf.

Die Zeit, die es braucht, ein Foto zu machen, kann darüber entscheiden, ob ein Foto gelingt oder nicht und selbst wenn ihr den Power-Knopf schnell genug drücken und das Icon schnell genug in den Kreis ziehen könnt, ist das weniger praktisch, als einfach den Kamera-Knopf zu drücken – wie beim Sony Xperia S oder jedem einzelnen Windows Phone.

Die allgemeine Bedienbarkeit

Das One X beweist, dass HTC viel Wert aufs Detail legt. Zum Beispiel: der Auto-Modus, der – einmal aktiviert – ein klares User-Interface bietet, mit dem es sehr einfach ist, zwischen Apps zu wählen, einen Anruf zu machen oder Musik zu hören.

HTC liefert zudem eine überzeugende Menge an Zubehör mit, zum Beispiel separate Ladestationen fürs Auto oder für Zuhause, in denen das Smartphone sicher steht. Fünf unauffällige Punkte auf der Rückseite des Gehäuses machen dabei jeden Kabelsalat überflüssig.


Das letzte Zubehör von Bedeutung ist der Media Link HD-Adapter, mit dem ihr das Handy nicht mehr direkt in den HDMI-Port eures Fernsehers stecken müsst – obwohl ihr das immer noch mit einem zusätzlich einzukaufenden Kabel machen könnt.

Auf beide Weisen könnt ihr entweder den Smartphone-Screen auf dem zweiten Bildschirm ausgeben, oder einen zweiten Bildschirm auf den Fernseher legen, der unabhängig von dem ist, was ihr gerade mit dem Handy macht.

Der wahre Kern

Das HTC One X kann also so ziemlich alles, aber macht die Extra-Prozessor-Power eigentlich einen Unterschied?

Ehrlich gesagt: es ist schwer zu sehen, wo und ob die Extraleistung überhaupt genutzt wird. Auch das Sony Xperia S bietet eine flüssige Bedienung mit Apps, die schnell laden und wo auch sonst alles ruckelfrei läuft.

Das One S aus der Mittelklasse mit seinem Dual-Core Qualcomm S4-Prossezor ist ebenfalls unglaublich flink. Das One X kann nicht schneller sein als “sofort“. Die wahre Kraft des Gerätes wird also erst durch die Apps herausgefordert.

Und hier gerät das One X ein bisschen ins Straucheln, wobei es daran keine Schuld trägt. Es gibt einfach kaum Apps, bei denen diese Extra-Rechenleistung von Bedeutung ist (neben Benchmarking-Apps, die einfach bloß hochtrabende Zahlen ausspucken, um eure Freunde zu beeindrucken).

Ihr bekommt aber durchaus ein paar grafische Verbesserungen in Spielen, wie die Wasserspritzer auf dem Display in Riptide GP THD (das THD steht für Tegra HD), mehr grafische Details in Siegecraft THD und bessere Grafik in Zen Pinball.

Um die Vorteile von Tegra3 voll ausschöpfen zu können, braucht ihr eine Software, die speziell für sie gemacht ist, und im Moment gibt es da keine große Auswahl. Tatsächlich sind die meisten Apps nicht mal für Dual-Core-Prozessoren entwickelt.

Die TegraZone Games-App ist ein Ort, wo man sich über mögliche Tegra3-Spiele auf dem Laufenden halten kann. Ein spezieller Titel, auf den man gespannt sein darf, ist Sonic: The Hedgebog 4: Episode II.

Die Akku-Power

Die Akkulaufzeit ist wesentlich besser als ich dachte, obwohl meine Erwartungen an ein Smartphone nicht besonders hoch sind.

Bei normaler Benutzung habe ich einen kompletten Tag und eine Nacht bis zu einer Akku-Warnung geschafft.

Und das mit einem angemessenen Gebrauch der Kamera, Tegra-unterstützten Spielen und Benschmarking Apps, die bestätigten, was ich bereits wusste: dass dieses Smartphone viel mehr Potenzial hat, als gegenwärtig von ihm verlangt wird.

Als ich das Handy in Ruhe ließ, um die Standby-Zeit zu testen, hielt es vier Tage durch und hätte noch wesentlich länger gekonnt.

Dabei wurde der Bildschirm kaum genutzt. Dem Gerät wurde aber immer noch erlaubt, App-Updates runter zuladen und Datensynchronisation im Hintergrund zu betreiben. 3G und Wi-Fi waren eingeschaltet.

Es scheint, als wäre der “Ninja Core“ tatsächlich eines der besten Features des One X.
Was nicht bedeuten soll, dass seine anderen Features enttäuschend sind. Das One X ist das bisher beste Smartphone von HTC. Es ist seiner Zeit nur ein bisschen voraus – oder, um es optimistisch zu sagen, es ist zukunftssicher.

9
Fazit: 
Das One X ist bereits an einem Punkt, an den die Entwickler erst noch kommen müssen - und das wird auch eine ganze Weile so bleiben. Das Gerät hat mehr Power als wirklich gebraucht wird, wenn ihr aber einfach das Beste besitzen wollt, dann hat HTC das ultimative Smartphone für euch

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