Testbericht Das neue iPad Review

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Das iPad 3 (sorry, "Das neue iPad") hat eine ziemlich große Bürde zu tragen. Es ist das erste Gerät, das nach dem Tod von Steve Jobs angekündigt und auf den Markt gebracht wurde. Eine Front aus zunehmend hohen Erwartungen hat sich da also über dem Tablet zusammengeballt.

Die ersten beiden Generation des iPads haben sich millionenfach verkauft. Wenn nun aber jeder, der ein iPad will, bereits eines besitzt, was kann Apple dann tun, um diese Menschen zu überzeugen und zu veranlassen, nach 12 Monaten loszugehen und das Produkt wieder zu kaufen?

Oder wie Apples Kritiker oft fragen: Ist der derzeitige Erfolg auch in Zukunft zu realisieren?

Nehmen wir einmal an, dass ihr schon Besitzer eines iPads seid. Dann gibt es eigentlich nur zwei Gründe für euch, das neue Modell zu erstehen. Erstens, ihr wisst, dass sich das nächste Update eures Lieblingsspiels auf den Vorgänger-iPads nicht mehr so gut bzw. unter Umständen überhaupt nicht mehr zocken lässt. Oder zweitens, ihr wollt einfach die beste Version des derzeit besten Tablets überhaupt euer Eigen nennen.

Unter der Haube und auf dem Bildschirm

Das Herzstück des neuen iPads ist richtig leistungsstark. Im Gerät wird ein Dual-Core A5X Chip verbaut, der eine Quad-Core Grafik-Engine befeuert.

Das neue iPad würde zweifellos am iPad 2 vorbeiziehen, wären da nicht die zusätzlichen Pixel seines hochauflösenden Screens. So, wie die Dinge liegen, ist das neue iPad aber definitiv schneller beim Browsing und anderen Aktivitäten - nicht gravierend, aber auf jeden Fall flinker.

Etwas Geschwindigkeit zu opfern, hat sich aber absolut gelohnt, denn das Display ist außergewöhnlich. Wir reden hier von 2048x1536 Pixeln, was dem Vierfachen des vorangegangenen iPads entspricht.

Durch die fast 50% höhere Farbsättigung, verteilt auf die über drei Millionen Pixel, fällt der Retina-Screen sofort auf. Ein Freund von mir hat es ungefähr so formuliert: ein Wechsel vom iPad 2-Bildschirm auf den Screen des neuen iPads ist wie das Übergehen vom iPhone 3GS zum iPhone 4.

Die große Überraschung für mich war allerdings nicht die Auflösung von Videos oder Fotos, sondern wie fantastisch herkömmlicher Text aussieht. Text hat ja im Allgemeinen zerklüftete oder rauhe Kanten. Auf dem neuen iPad aber sind die Zeichenfolgen weich, fließend und gestochen scharf zu bewundern.

Es scheint, als wäre jede Seite durch einen High-End-Laserdrucker gejagt worden. Dieser Texteffekt ist in E-Mails, im Web und sogar bei iPhone-Apps, die auf die Bildschirmgröße des iPads aufgeblasen wurden, sichtbar.

Amazon Kindle, Flipboard und viele andere Apps haben bereits ihre Software upgedatet, um sich den höher aufgelösten Text ebenfalls zu Nutze zu machen, sodass das Springen von einer App zur nächsten optisch wenig holprig realisiert werden kann.

Nicht rumspielen

Gaming ist das absolut erste, was ihr auf dem neuen iPad ausprobieren solltet - v.a., wenn ihr bereits einen der zahlreichen Titel zockt, die ein Retina Display Update für das neue iPad verpasst bekommen haben.

Das neue iPad besitzt zwar keinerlei neue Technologie, die die Mechanik oder Steuerung eurer Favoriten-Games updatet, aber allein die grafische Wiedergabetreue wird es euch schwer machen, zum Screen vom iPad 2 zurückzukehren.

Ich habe viel Zeit mit dem Showcase-Titel Infinity Blade II und meinem derzeitigen Favoriten Beat Hazard Ultra verbracht. Infinity Blade II ist so wunderschön, dass einem im wahrsten Sinne des Wortes die Kinnlade runterklappt.

Schon die Anfangssequenz ist atemberaubend. Die vom Baum fallenden Blätter sind immens detailgetreu dargestellt. Die Sonne, die hinter dem Schloss hervorlugt, erzeugt einen hyperrealistischen Blendenfleck. Viele, wenn nicht gar sämtliche dieser Details gab es auch in der iPad 2-Version, sie sahen aber nicht mal annähernd so aufpoliert aus wie jetzt.

Wie in unserem Review vor Kurzem geschrieben, ist Beat Hazard Ultra ein old skool One-Screen Shoot-’em-up, der die Pferdestärken des iPads nutzt, um euch von allen Seiten zu überwältigen. Die rasante Action fühlt sich auf dem neuen iPad noch ein wenig flüssiger an, das wahre Geschenk sind hier aber die Grafikdetails: gegnerische Schiffe sehen noch schnittiger und metallischer aus und selbst der Weltraummüll hat ein gewisses Flair, das auf den iPads vergangener Generationen nicht festzustellen war.

Was mich aber so richtig vom Hocker gehauen hat, waren die irren, psychedelischen Wellen im Hintergrund. Diese flossen so seidengleich dahin, dass ich für einen kurzen Moment wie paralysiert war.

Eure Daten bekommen

Die verfügbare Auswahl ist die selbe geblieben wie bei vorherigen iPad-Modellen, also 16GB, 32GB und 64GB iPads sind entweder mit Wi-Fi oder der teureren Variante Wi-Fi plus 3G erhältlich.

In Deutschland sind Tarifmodelle von u.a. der Telekom, Vodafone, O2 und E-Plus zu bekommen, in UK stellen 3 Mobile, Orange, Vodafone und O2 Data Plans zur Verfügung, in den USA gibt es diese von AT6T und Verizon.

Eine wichtige Veränderung bringt das neue iPad jedoch: es nutzt LTE/4G-Netze.

Das Problem mit 4G ist, dass es in Europa noch nicht flächendeckend angeboten wird, ihr werdet also oft mit einer verbreiteteren 3G-Verbindung vorlieb nehmen müssen. Ein Freund von mir hat aber berichtet, dass er selbst in Downtown San Francisco Probleme hatte, eine 4G-Verbindung zustande zu bekommen, und das, obwohl dieses Gebiet eines der technikorientiertesten der Welt ist.

Eine weitere Neuerung ist die Hotspot-Fähigkeit der LTE-Modelle. Abhängig ist das Ganze immer von dem Ort, an dem ihr euch gerade befindet. Die Akkulaufzeit wird dadurch aber nicht sonderlich beeinträchtigt, sodass Apples Standard von zehn Stunden gehalten wird.

Are you Siri-ous?

Irgengwie seltsam beim neuen iPad ist, dass es geringfügig schwerer und dicker ist als das Vorgängermodell. Testet es selbst, indem ihr das iPad 2 in die eine und das neue iPad in die andere Hand nehmt. Glücklicherweise sind die Unterschiede gering genug, um für das neue iPad die Hülle eures iPad 2 verwenden zu können.

Eine große Enttäuschung allerdings ist das Fehlen von Siri. Das sprechende Stimmbefehlsystem war einer der Hauptgründe, warum die Leute letzten Herbst losgezogen und sich das iPhone 4S besorgt haben. Da ist es schon sehr merkwürdig, dass Apple Siri beim neuen iPad nicht implementiert hat.

Was wir aber haben, ist etwas, das simplerweise Diktieren genannt ist: berührt das Mic-Icon und das iPad schreibt nieder, was immer ihr sagt. Das funktioniert richtig gut, iPhone 4S-User werden sich allerdings fühlen, als bekämen sie nur einen kleinen Teil von Siri.

Ist das neue iPad, wie Apple es formuliert, “sehvolutionär”? Kaum. Wenn ihr das iPad bereits kennt, dann wir euch das neue nicht von den Socken hauen. Was Apple gemacht hat, ist, das Originaldesign mit einer tollen Kamera, grandioser Auflösung und besserer Geschwindigkeit aufzumöbeln.

Sollet ihr also zu den passionierten iOS-Gamern mit dem nötigen Kleingeld gehören, dann dürften diese Gründe eine Investition für euch durchaus rechtfertigen.

9
Fazit: 
Das neue iPad ist kein revolutionäres Gerät, aber es verfeinert das iPad-Erlebnis genug, um ein Upgrade zu rechtfertigen

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